Misbrauchs

Wenn du, eine liebe Person oder irgendjemanden, den du kennst eine Misshandlung von Seiten der Psychiatrie erlitten hast, dann nehme Kontakt zum Bürgerkomitee für Menschenrechte auf. Wir aktivieren ihn.
Se tu, una persona cara o qualcuno che conosci ha subito abusi da parte della psichiatria, mettiti in contatto con il Comitato dei Cittadini per i Diritti umani. Ci attiveremo

domenica 14 settembre 2008

Der Fall Sebnitz

Untitled

Ein Leser-Beitrag von T. Brendle

"Sehr geehrte Damen und Herren!
Ich möchte Ihnen einen Artikel über den "Fall Sebnitz" und einen Teil seiner Hintergründe zuschicken,
den ich nach Recherchen im Internetz verfasst habe
(sauber recherchiert, nur öffentlich im Netz zugängliche Quellen mit Quellenangaben).
Wenn Sie ihn verwenden können, dürfen sie ihn gerne auf Ihre Seite stellen.
Mit freundlichen Grüßen, T. Brendle"

Der „Fall Sebnitz“ und ein Teil seiner Hintergründe
Im Juni 1997 ertrank im Schwimmbad des sächsischen Sebnitz der 6-jährige Joseph, Sohn von Renate Kantelberg-Abdulla und ihres aus dem Irak stammenden Mannes, unter bisher ungeklärten Umständen. Drei Jahre später löste die Behauptung der Mutter, ihr Kind sei von „Rechtsextremisten“ ermordet worden, einen deutschlandweiten medialen Empörungssturm aus: „Neonazis ertränken Kind – eine ganze Kleinstadt schaut weg“, so titelte sinngemäß die „Bild-Zeitung“ in 10 cm großen Lettern, Talk-Shows beschäftigten sich mit dem „Kindermord in Sebnitz“. Mittlerweile wissen wir, dass an der Horrorgeschichte von den „50 Neonazis“ im Freibad nichts dran ist, alle Belastungszeugen sind von ihren anfänglichen Aussagen wieder abgerückt. Es besteht sogar der Verdacht, dass sie für ihre Falschaussagen Geld erhalten hatten. Dennoch bleibt der Fakt bestehen, dass der kleine Joseph ertrank, auch ein Verbrechen wird nach wie vor nicht ausgeschlossen. Bei der neuerlichen Untersuchung wurden in Josephs Blut Reste des Medikaments Ritalin gefunden – ein Schlüssel für das, was 1997 im Sebnitzer Freibad wirklich passiert sein könnte.

Wie es garantiert nicht war
Ritalin ist ein weitverbreitetes, unter das Betäubungsmittelgesetz fallendes Psycho-pharmakum, das den amphetamin-ähnlichen Wirkstoff Methylphenidat enthält. Es wird v.a. bei Kindern eingesetzt, die an sog. Hyperaktivität („Zappelphilipp-Syndrom“) leiden, auch unter dem Namen Aufmerksamkeits-Defizit-Störung (ADS) bekannt. Dieses Mittel hätten die „50 Neonazis“ Joseph angeblich eingeflößt, um ihn damit zu „betäuben“. Doch Ritalin beginnt erst 30 bis 45 Minuten nach der Einnahme zu wirken , d.h. jemand, der Joseph mittels des Medikaments hätte betäuben wollen, um ihn dann ertränken zu können, hätte ihn also vorher erst über eine halbe Stunde lang in aller Öffentlichkeit und am helllichten Tag mitten in einem gutbesuchten Freibad in seiner Gewalt haben müssen. Beruhigend wirkt Ritalin bei hyperaktiven Kindern deswegen, weil es durch eine Normalisierung des Neurotransmitter-Stoffwechsels im Gehirn deren Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit erhöht. Bei Nicht-Hyperaktiven hat es sogar einen aufputschenden Effekt, weil sein Wirkstoff mit denen der Exstacy-Drogen verwandt ist . Laut einer für Ärzte und Apotheker bestimmten Fachinformation des Ritalin-Herstellers Ciba-Geigy steigert das Mittel die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit und unterdrückt Müdigkeit und körperliche Abgeschlagenheit . Es wirkt so anregend, dass damit sogar die Narkolepsie, die sog. Schlafkrankheit behandelt wird . In Sachen Betäuben oder Benommen machen wäre also mit Ritalin sowieso nichts gelaufen.

Wie es (möglicherweise) gewesen ist
Ritalin ist nicht ganz ungefährlich und muß vorsichtig gehandhabt werden. Im Arzneimittel-Kompendium der Schweiz lesen wir, dass es bei einer Überdosierung zu anfallsartigen Schüttelkrämpfen einzelner Gliedmaßen oder des ganzen Körpers, u.U. mit anschließendem Koma, kommen kann: „Zur Aufrechterhaltung der Blutzirkulation und der Atmung sind intensivmedizinische Maßnahmen zu ergreifen“ . Ciba-Geigy schreibt, dass es bei missbräuchlicher Anwendung zum „Zusammenbruch physiologischer Funktionssysteme“ kommen könne, Überdosierungen könnten sogar tödlich enden . Doch schon bei normaler Anwendung treten vereinzelt Muskelkrämpfe auf . „Methylphenidat kann die Krampfbereitschaft erhöhen“, heißt es im deutschen Beipackzettel für August 2000 . Für jemanden, der gerade im Wasser schwimmt, kann das natürlich fatale Folgen haben – ganz abgesehen von einem Koma! Es sind schon geübte Schwimmer wegen eines harmlosen Krampfes in Armen oder Beinen ertrunken. Der Kinder- und Jugendpsychater Michael Huss, Oberarzt an der Berliner Charite, warnte noch im August diesen Jahres vor schweren Nebenwirkungen von Ritalin, so z.B. Krampfanfällen . Er ist einer der leitenden Wissenschaftler einer groß angelegten Studie über Ritalin, die von der Charite zusammen mit anderen Institutionen im Auftrag des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte durchgeführt wird.
Auffallend ist auch die ausgeprägte Wirkung von Ritalin auf das Herz-Kreislaufsystem. Veränderungen von Blutdruck und Herzfrequenz gehören zu den Nebenwirkungen. Bei Ritalin-Behandlung sollte der Blutdruck regelmäßig kontrolliert , bei Bluthochdruck das Mittel sofort abgesetzt werden . Der US-Beipackzettel gibt als Nebenwirkung auch Herzrhythmusstörungen an . Bei längerer Anwendung kann es zu einer Neigung zu Herzinfarkt, Schlaganfall, Bluthochdruck, Arteriosklerose und Herzschwäche kommen .
Auch auf diese Weise kann beim Schwimmen also eine kritische Situation entstehen, denn dort sind Herz und Kreislauf ja besonders gefordert, gerade bei Kindern, die im Becken herumtollen. Ein an sich eher ungefährlicher Kreislaufzusammenbruch wird im Wasser schnell zur tödlichen Gefahr. Wenn er nicht sofort erkannt wird, ertrinkt der bewusstlose Betroffene.
Wegen der belastenden Wirkung von Ritalin auf das Herz-Kreislaufsystem sind Menschen mit Herzproblemen besonders gefährdet. Bei Herzrhythmusstörungen darf das Mittel beispielsweise nicht eingesetzt werden . Aus den USA sind Fälle von Kindern bekannt, die wegen Ritalin-Einnahme an Herzversagen starben . Die betroffenen Eltern dort bereiten derzeit eine Sammelklage gegen den Pharma-Konzern Novartis vor, der Ritalin vertreibt.

Verkettung unglücklicher Umstände
Interessant ist, dass bei der neuerlichen Obduktion von Josephs Leiche eine chronische Herzmuskelentzündung (Myokarditis) entdeckt wurde. Eine typische Folge dieser heimtückischen, weil schmerzfreien und deshalb oft unerkannt bleibenden Erkrankung sind Herzrhythmusstörungen . Somit gehörte auch Joseph zu einer Ritalin-Risikogruppe. Abgesehen davon kann es bei der Myokarditis auch ohne Ritalin zu akutem Herzversagen kommen, wobei diese Gefahr bei der chronischen Krankheitsform sogar noch steigt. Dieser plötzliche Ausfall der Herztätigkeit tritt häufig bei erhöhter körperlicher Anstrengung (z.B. Schwimmen) auf. Der plötzliche Tod zahlreicher Spitzensportler geht auf akutes Herzversagen infolge einer Herzmuskelentzündung zurück . Bei einer Myokarditis ist auf jeden Fall eine mindestens 3-monatige Schonung und Entlastung des Herzens nötig, weil die Gefahr besteht, dass es ansonsten schon bei leichter Belastung plötzlich versagt . Ohne Vorwarnung kann der Tod vor der Tür stehen. „Diese Maßnahmen sind unabdingbar und müssen unbedingt eingehalten werden“, heißt es auf einer Patienten-Informationsseite im Internet . Statt ins Freibad zu gehen, hätte Joseph also eigentlich besser strikte Bettruhe halten sollen.
Joseph muß nicht unbedingt ein hyperaktives Kind gewesen sein, um Ritalin zu bekommen. Das Präparat wird auch missbräuchlich zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit und Konzentration von Schulkindern verwendet, v.a. in den USA, wo man es bedenkenlos zur schulischen Leistungssteigerung sowie zur Ruhigstellung schwieriger, rebellischer und unruhiger Kinder – hauptsächlich Jungen – einsetzt. Amerikanische Kinderärzte gehen sehr sorglos mit dem Medikament um. Eltern, die nicht genug Zeit für ihre Kinder haben, weil beide berufstätig sind, versuchen mit Ritalin und anderen Psychopharmaka die dadurch entstehenden Spannungen im Familienleben abzubauen. „Wahrscheinlich wird Ritalin eher dazu missbraucht, die Nerven der Eltern lebhafter Kunder zu schonen“, heißt es dazu in einer News-Group von Ritalin-Kritikern im Internet . Der Ritalin-Verbrauch hat in den USA seit 1990 um unglaubliche 700% zugenommen , Millionen von Kindern bekommen es heute.
Aber auch in Europa hat sich der Konsum in den letzten Jahren stark erhöht. Psychopharmaka werden im Zuge eines breiten Stromes von Multivitamin-Präparaten, Anregungsmitteln und Konzentrationsförderern auch in Deutschland angewendet, um die Kinder in der Schule auf höhere Leistungen zu trimmen. Der Verbrauch von Ritalin hat sich bei uns in den letzten 10 Jahren verzehnfacht . Was die Menge betrifft, ist Deutschland heute die Nr. 1 in Europa. „Wir waren so ein bisschen in den Druck geraten“, gestehen ehemals betroffene Eltern im September 2000 auf einer Internet-Homepage, „unseren Sohn den Anforderungen mit Tabletten anzupassen“ . Auch der kleine Joseph war in dem Alter, wo ihm – gerade eingeschult – das erste mal schulische Leistungen abverlangt wurden.
Allerdings ist es für Eltern in Deutschland, wo die Kinderärzte wesentlich sorgfältiger mit Psychopharmaka umgehen als in Amerika, in der Regel nahezu unmöglich, ohne eine entsprechende ADS-Diagnose an Ritalin zu kommen. Josephs Mutter jedoch ist Apothekerin. Sie betreibt die Central-Apotheke in Sebnitz, hatte also ständig Zugriff auf das Medikament.

Fazit
So fügt sich ein Puzzlestück ans nächste, und heraus kommt das Bild einer tragischen Verkettung unglücklicher Umstände. Der kleine Joseph hatte Ritalin bekommen, ob nun wegen einer eventuell bestehenden Hyperaktivität, oder im Zuge der missbräuchlichen Selbst-medikamentation zur schulischen Leistungssteigerung durch die Eltern, die als Apotheker Zugang zu dem Mittel haben, sei dahingestellt. Die Nebenwirkungen können beim Schwimmen zur tödlichen Gefahr werden, weil sowohl Krampfanfälle, als auch Kreislauf-zusammenbrüche in Folge einer Belastung des Herz-Kreislaufsystems im Wasser häufig zum Ertrinken führen. Bei Kindern, die wie Joseph von Haus aus schon mit Herzproblemen zu kämpfen haben, erhöht sich diese Gefahr eines solchen Kreislaufzusammenbruchs, oder gar eines Herzversagens natürlich noch erheblich. Führte eine besonders fatale Kombination – Ritalin-Anwendung, Herzmuskelentzüngung und Aufenthalt im Wasser – zum Tod des kleinen Joseph im Sommer 1997 im Freibad von Sebnitz?

Quellen:
www.quarks.de/pillen/0603.htm
Prof. Dr. Max Friedrich im ORF-Interview: www.legasthenie.at/aln7/page2.html
www.hypies.de/medi/ritalin/ritalin19.html
Apotheker-Zeitung Nr. 71/98.
Arzneimittel-Kompendium der Schweiz: www.kompendium.ch/data/find/dk01338_.htm
Potsdamer Neueste Nachrichten, 2. 8. 00
www.ritalin-kritik.de/kommentar/kommentar.html
Neue Solidarität Nr. 34/ 23.8.00
www.medizin-netz.de/icenter/myokarditis.htm
Berliner Zeitung, 14. 10. 98
Tele-Doktor vom 7. 1. 00 auf SWR, vgl. auch WDR2-Radio, Sendung vom 31. 3. 99 mit Dr. Richard Wagner
www.medizinfo.com/kardio/erkmuskel.htm
www.egroups.de/group/Ritalin-muß-das-sein
taz, 1.3.00; Der Bund Nr. 75, 29.3.00
Vortrag von Dr. Huss Anfang 2000 vor der Apothekerkammer von Berlin, siehe www.hypies.de/medi/ritalin/ritalin16.html
www.beepworld.de/members/fambauer

Anmerkung der Redaktion:
Man wird wohl nie herausfinden, wer oder was zum Tod des kleinen Josephs führte.
Von daher ist auch der vorangegangene Artikel nur eine Theorie und eine Meinung von vielen.
Dennoch stellt sich die Situation nicht so eindeutig dar,
wie manche es gerne hätten, um daraus politisch Kapital schlagen zu können.

Wir danken deshalb dem Author für seine Mühe und differenzierte Sichtweise
und hoffen auch in Zukunft ähnliche Gastbeiträge veröffentlichen zu dürfen !