Misbrauchs

Wenn du, eine liebe Person oder irgendjemanden, den du kennst eine Misshandlung von Seiten der Psychiatrie erlitten hast, dann nehme Kontakt zum Bürgerkomitee für Menschenrechte auf. Wir aktivieren ihn.
Se tu, una persona cara o qualcuno che conosci ha subito abusi da parte della psichiatria, mettiti in contatto con il Comitato dei Cittadini per i Diritti umani. Ci attiveremo

lunedì 22 giugno 2009

Prozac - Bekenntnisse eines Pharma-Täters

Zehn Jahre lang ging's immer nur aufwärts für Dr. John Rengen Virapen. In Schweden machte er beim Pharma-Riesen Eli Lilly grosse Karriere. Dann wurde er von einem Tag auf den anderen abgesägt. Heute blickt er schuldbewusst und reuevoll auf das zurück, bei dem er Komplize war, und was er in einem spektakulären Bekenntnis-Buch veröffentlicht hat: "Nebenwirkung Tod - die Korruption in der Pharma-Industrie.




Der angebliche Stimmungsaufheller
soll gegen Depressionen wirken.



Dr. John Rengen Virapen ist ein moderner Saulus, der zum Paulus wurde. „Nacht für Nacht versammeln sich schattenhafte Wesen an meinem Bett. Irgendwann in den frühen Morgenstunden schleichen sie ins Zimmer. Sie schlagen die Köpfe gegen die Wände, ritzen Arme und Hals mit Rasierklingen. Schweißgebadet erwache ich. Ich habe dazu beigetragen, daß diese Menschen, deren Schatten mich verfolgen, gestorben sind.
Ich habe den Tod von Menschen mit zu verantworten, die ich nicht kannte. Ich habe sie nicht eigenhändig getötet. Nein, ich war ein williges Werkzeug der Pharmaindustrie.“

Virapen (64), ein indischstämmiger Manna aus British-Guayana arbeitete seit 1968 bei den Pillenproduzenten; diente sich hoch vom kleinen Ärztevertreter bis zum „Landesleiter Schweden“ für den Pharma-Multi Eli Lilly & Company. „Daß ich willig mitmachte, ist die große Last, die mich quält. Von Angst durchgeschwitzte Pyjamas – das ist der Motor der Selbsterkenntnis. Ich war ein Schwein. Ich habe die Zulassung von Medikamenten forciert, obwohl ich wußte, daß sie den Menschen schaden.“
Virapen hat Angst. Nicht davor, dasselbe zu erleben wie Alfredo Pequito, ein ehemaliger Bayer-Mitarbeiter in Portugal, der für das Auspacken unbequemer Wahrheiten mit dem Messer angegriffen wurde und mit 70 Stichen wieder zusammengeflickt werden mußte. Er hat Angst davor, „daß mein Sohn ebenfalls zu dem gemacht wird, wie die Pharmaindustrie den Menschen am liebsten sieht: ein williger Pillenschlucker, der für erfundene und eingeredete Krankheiten Medikamente einnimmt. Tödliche Nebenwirkungen im Preis inbegriffen. Die Pharmaindustrie verändert das Denken der Menschen der kommenden Generationen.“

„Ein Auto, bei dem die Bremsen nicht oder nur bei jedem zweiten Mal funktionieren, bei dem die Windschutzscheibe ab einer Geschwindigkeit von über 60 km/h aus dem Rahmen bricht oder bei dem die Abgase ins Fahrzeuginnere geleitet würden – solche Fahrzeuge kommen nicht auf den Markt. Medikamente mit vergleichbaren Defekten schon. Wie ist das möglich?“, fragt Virapen. „Warum werden die Verbraucher besser gegen Pfusch am Auto geschützt als gegen Pfusch an ihrem Körper, an ihrer Gesundheit, an ihrem Leben?“
Virapen hat als Insider ein Buch geschrieben. Ein packendes, aufrüttelndes, ja erschütterndes Buch: Nebenwirkung Tod – Korruption in der Pharma-Industrie. Er fragt darin:



• Wußten Sie, daß große Pharmakonzerne 35’000 Euro pro Jahr und pro niedergelassenen Arzt aufwenden, um den Arzt dazu zu bringen, ihre Produkte zu verschreiben?

• Wußten Sie, daß sogenannte Meinungsführer – also anerkannte Wissenschaftler und Ärzte – mit teuren Reisen, Geschenken und ganz schlicht mit Geld bestochen werden, um über Medikamente, deren schwerwiegende oder gar tödliche Nebenwirkungen publik wurden, positiv zu berichten, um die berechtigte Besorgnis bei Ärzten und Patienten zu zerstreuen?

• Wußten Sie, daß es für viele neu zugelassene Medikamente nur Kurzzeitstudien gibt und niemand weiß, wie sich die längere oder dauerhafte Einnahme auf den Patienten auswirkt?

• Wußten Sie, daß Forschungsberichte und Statistiken, die zur Zulassung eines Medikamentes bei den staatlichen Gesundheitsbehörden nötig sind, solange geschönt werden, bis durch das Medikament verursachte Todesfälle nicht mehr darin vorkommen?

• Wußten Sie, daß mehr als 75 Prozent der führenden Wissenschaftler in der Medizin von der Pharmaindustrie bezahlt werden?

• Wußten Sie, daß Medikamente im Handel sind, bei deren Zulassung Bestechung im Spiel war?

• Wußten Sie, daß die Pharmaindustrie Krankheiten erfindet und sie in gezielten Marketingkampagnen bewirbt, um den Absatzmarkt für ihre Produkte zu vergrößern?

• Wußten Sie, daß die Pharmaindustrie zunehmend Kinder im Visier hat?



Denn nachdem es die Pharmalobby geschafft hat, Kinder, die nicht still sitzen können, den Unterricht stören und zappelig sind – also eigentlich ganz normale Kinder – zu einem Krankheitsfall zu machen (Stichwort: Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom, ADS), und sie mit gefährlichen Medikamenten wie Ritalin oder Strattera ruhiggestellt hat, dürfen Kinder in Deutschland ab 2008 jetzt sogar Prozac schlucken. Es wird unter dem Markennamen Fluctin verkauft und macht lebensmüde und aggressiv.
Blockbuster gesucht

Anfang des 20. Jahrhunderts, als viele der heutigen Pharmariesen mit ihrem Aufstieg begannen, ging es noch darum, für die Menschen Mittel zum Heilen herzustellen. Als die Entdecker des Insulins 1923 den Nobelpreis erhielten, teilten sie diesen noch freiwillig mit Kollegen, die maßgeblich an der Entwicklung beteiligt gewesen, jedoch vom Nobelkomitee nicht berücksichtigt worden waren. Und sie verkauften ihr kostbares Patent zum symbolischen Preis von einem Dollar an die Universität Toronto.
Spätestens seit den 1980er Jahren geht es nun darum, „Blockbuster“ zu erfinden, welche innerhalb kürzester Zeit Milliardenumsätze bringen. Virapen: „Ein Blockbuster ist viel mehr als einfach eine milliardenfach verkaufte Pille. Ein Blockbuster ist eine Pille, bei der die Krankheit, die geheilt werden soll, völlig zweitrangig ist.“ Ganz einfach, weil Kranke ein „relativ kleiner Markt“ sind. „Stellen Sie sich vor, man könnte Pillen auch denjenigen verkaufen, die gar nicht krank sind! Dann erst haben Sie eine neue Dimension des Marketings betreten. Das ist die Qualität des Blockbusters. Und Fluoxetin sollte diese Rolle spielen. Das war eher Zufall, denn es war für diese Rolle eigentlich nicht geeignet.“
Fluoxetin ist ein Wirkstoff, der die Wiederaufnahme des Botenstoffs Serotonin im Gehirn unterbindet, und somit am Regler der Serotoninbalance dreht und angeblich den ausgeglichenen, idealen Zustand wieder herstellt. Er sollte daher als Antidepressivum dienen.

Mittlerweile weiß man, daß sich der Serotoninspiegel im Gehirn gar nicht messen läßt; und Studien haben ebenfalls ergeben, daß Fröhlichkeit oder Traurigkeit eines Menschen nicht von biochemischen Vorgängen in seinem Gehirn abhängen. Versuche mit Fluoxetin hatten jedoch einen interessanten Nebeneffekt gezeigt: Einige der Probanden hatten damit Gewicht verloren – ein Aspekt, den die Konzernchefs für viel lukrativer hielten.
Dicke sind – da es sie real oder eingebildet so massenweise gibt – ein hervorragender Absatzmarkt. Schlecht war nur, daß es weiterer umfangreicher Studien und Tests bedurft hätte, um die Zulassung als gewichtsreduzierendes Medikament zu erreichen. „Eli Lilly aber hatte es eilig“, bemerkt Virapen. „Jeder verlorene Tag, den das neue Wundermittel nicht auf dem Markt war, kostete Geld.“
Also entschloß man sich, die Zulassung des Wirkstoffs Fluoxetin erst mal als Antidepressivum anzustreben. „Denn einmal zugelassen, ist es leichter, später die Zulassung auf weitere Anwendungsgebiete auszuweiten. Das ist ein ganz üblicher, wichtiger Trick der Pharmaindustrie, den Sie immer wieder beobachten können.“

Der Weg eines Medikaments in einen Markt läuft über bestimmte Stationen: Erst wird der Wirkstoff im Labor, dann an Tieren auf Wirkungen und Nebenwirkungen untersucht. Danach ist der Mensch „Versuchskaninchen“, meist in Kliniken. Solche Testreihen nennt man im Fachjargon „Protokolle“. Verläuft ein Protokoll nicht wie erhofft, bricht man es ab. Denn fatalerweise müssen abgebrochene Testreihen – also „Protokolle“ – und ihre Ergebnisse nicht an die Zulassungsbehörden weitergegeben werden. „Warum aber bricht man eine Versuchsreihe ab? Weil es Schwierigkeiten gibt, etwa weil zu viele Patienten das Medikament nicht vertragen, sich umbringen oder aus anderen gesundheitlichen Gründen nicht weiter am Versuch teilnehmen möchten“, schreibt Virapen. „Gerade diese Informationen, von großer Wichtigkeit für Zulassungsbehörden und Patienten in spe, verschwinden in den Schränken der Pharmamanager.“

Das nächste „Protokoll“ kann die Pharmafirma dann so aufsetzen, daß die Resultate positiver ausfallen werden. Sie verändert beispielsweise die Teilnehmerstruktur; nimmt weniger oder keine Alte, Kranke und psychisch Labile als Testpersonen auf. Oder sie vergleicht das eigene Medikament mit einem anderen, bei dem das eigene vergleichsweise besser abschneiden kann.

Anschließend werden die Ergebnisse der unterschiedlichen Protokolle in einem Datenpool zusammengeführt, und damit beginnt das, was Virapen die „Zahlenjonglage“ nennt: „Hier läßt sich alles glattbügeln und aufpolieren, was in klinischen Versuchen nicht so gut oder sogar gefährlich aussah.“ Der Datenberg landet schließlich bei der nationalen Zulassungsbehörde. Spezialisten, die auf Honorarbasis arbeiten (also weder festangestellt noch Beamte sind) sollen die Daten kritisch und kompetent durchleuchten und ein unbestechliches Urteil fällen. Von ihrem Urteil hängt ab, ob sich für den Konzern die Tür zu einem Milliardengeschäft öffnet oder aber verschlossen bleibt.

Antidepressiva: genauso wirksam wie Zuckerpillen

Ein Wissenschaftlerteam um den britischen Psychologen Irving Kirsch fand Anfang dieses Jahres zweifelsfrei heraus, daß Antidepressiva der SSRI-Gruppe etwa so wirksam sind wie Zuckerpillen. Diese Gruppe der Antidepressiva, zu der auch Prozac (in Deutschland/Schweiz Fluctine) gehört, wirkt über den selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer.

Als die Droge im Jahr 1988 in den USA auf den Markt kam, kürte das Time Magazine Prozac zur „Pille des Jahres“; die New York Times berichtete von einer „beginnenden legalen Drogenkultur“ und Prominente wie Woody Allen priesen sie; der Rapper Vanilla Ice widmete ihr gar einen Song.

Rund 54 Millionen Menschen in rund hundert Ländern schluckten Prozac.

Sie hätten, so sagt es Kirschs Studie, genausogut Zuckerpillen schlucken können. Der Erfolg der „Glückspille“ war nämlich nicht höher als jener von Placebos. Einzig die kleine Gruppe der schwerst depressiven Patienten hätte merklich besser auf die echten Wirkstoffe reagiert, so Kirsch.

Wie kommt es, daß Kirsch solch ernüchternde Ergebnisse publizieren kann? Weil er dank des amerikanischen Informationsfreiheitsgesetzes Zugang zu unveröffentlichten Studien hatte. Die Pharmakonzerne müssen zwar sämtliche existierende Studien (also solche, die sie nicht zuvor schon abgebrochen hatten, siehe Artikel) der Zulassungsbehörde einreichen. Veröffentlichen tun sie in der Regel jedoch nur jene Tests, die das gewünschte Resultat erbracht haben. Eine „Datenmanipulation par excellence“, kritisiert denn auch Wolfgang Becker-Grüser, Herausgeber des pharmakritischen „arznei-telegramms“.

Eines der Probleme mit den SSRI-Medikamenten liegt darin, daß man bis heute nicht beweisen kann, daß Serotonin bei Depressionen überhaupt eine Schlüsselrolle spielt. „Falls sich andere Botenstoffe im Gehirn als ebenso wesentlich erweisen sollten, bricht die ganze Theorie der Glückspillendreher in sich zusammen“, kommentiert das Magazin Der Spiegel (10/2008). Und fügt an: „Studien deuten darauf hin, daß ein anderer Wirkstoff in hoher Dosierung bei leichten und mittelschweren Depressionen äußerst effektiv ist. (…) Der Name des Wundermittels: Johanniskraut.“

Auch die Blütenmittel von Dr. Bach (siehe Artikel in dieser Ausgabe) halten verschiedene Rezepturen für depressionsgebeutelte Menschen parat. Nicht weniger als zehn Blüten helfen – je nachdem, was der Grund für die seelische Verstimmung ist!


Den vollständigen Artikel zu diesem aufwühlenden Thema finden Sie in der Zeitenschrift-Ausgabe Nr. 58

Von Ursula Seiler, www.zeitenschrift.com

martedì 16 giugno 2009

MOSTRA SULLA PSICHIATRIA: E’ IL MOMENTO DI UNA PROFONDA REVISIONE NEI METODI DI TRATTAMENTO

Migliaia di persone hanno visitato la mostra per informarsi e conoscere i propri diritti.

Trento. La mostra multimediale itinerante “PSICHIATRIA: UN VIAGGIO SENZA RITORNO” è stata un grande successo con circa 2000 visitatori in poco più di una settimana di apertura. Molti i commenti e le reazioni registrati, sia dai cittadini che dalla stampa, la cui nota dominante è stata la richiesta di un profondo cambiamento nei metodi di trattamento: “La mostra ha fatto luce sulle mie conoscenze delle malattie mentali e delle cure”, “è davvero interessante e mette in luce aspetti forse troppo trascurati della società moderna”, “purtroppo e’ una realtà crudele che tuttora continua”, sono alcuni dei commenti raccolti.

Come organizzatori siamo molto soddisfatti della partecipazione e dei commenti ricevuti e ringraziamo il presidente del consiglio regionale Depaoli Marco per la possibilità offerta alla popolazione trentina di ricevere informazioni che non sono disponibili in nessun’altra mostra, e che permetteranno loro di far valere più consapevolmente i propri diritti.

Molte persone hanno approfittato della mostra per denunciare gli abusi subiti e le carenze osservate nell’ambito della psichiatria locale. In particolar modo, alcune mamme si sono rivolte a noi per denunciare il fatto che i servizi di salute mentale hanno rovinato i loro figli trasformando un disagio adolescenziale in una malattia cronica a causa di diagnosi frettolose e somministrazioni di psicofarmaci.

Purtroppo le cose non sono migliorate dalla mostra dell’anno scorso. Continuano operazioni di facciata che mostrano una realtà ben diversa da quella vissuta dagli utenti. Secondo la risposta all’interrogazione del consigliere provinciale Mauro Delladio, nel periodo gennaio 2008 – febbraio 2009 i TSO per le prime tre unità operative sono stati 46. I pazienti che devono presentarsi regolarmente per una puntura di psicofarmaci a rilascio graduale o per una somministrazione forzata di psicofarmaci sono ben 397 solo nelle prime tre unità operative!!!
E i dati delle unità operative 4 e 5 (Rovereto, Arco, ecc.) non sono pervenuti, proprio dalle zone da cui ci arriva il maggior numero di segnalazioni di abuso.

Consigliamo ai pazienti e ai loro parenti di informarsi accuratamente sulle diagnosi e sui farmaci prescritti, di richiedere il parere di altri medici e di mandare sempre le loro richieste per iscritto richiedendo che vengano inserite nella propria cartella clinica. Inoltre, se ritenete di aver subito danni a causa di diagnosi o trattamenti psichiatrici potete mettervi in contatto con il Comitato dei Cittadini per i Diritti Umani Onlus.


Paolo Roat
Coordinatore Regionale
CCDU ONLUS Sezione di Trento
www.ccdutrento.org - ccdutrento@tiscali.it
Sito nazionale: www.ccdu.org

martedì 2 giugno 2009

WAS HABEN DIE AMOKLÄUFE IN DER SCHULE MIT PSYCHOPHARMAKA ZU TUN?

Brutale Videospiele, Waffenfetischismus und soziale Randständigkeit werden routinemässig im Zusammenhang mit Amokläufen debattiert. Ein Faktor ist bislang übersehen worden: gewisse Psychopharmaka.

Stephen Leith war als Lehrer stets untadelig gewesen. Doch dann änderte sich sein Verhalten innert weniger Wochen. Es folgte eine Rüge des Schulleiters, schliesslich ein Meeting, bei dem sein bizarres Verhalten Thema war. «Ich ras­tete aus und tötete den Schulleiter», sagt Leith. «Wenige Minuten später ging ich in meine Schulklasse, als ob nichts passiert wäre.» Als er verhaftet wurde und sein Anwalt im Gefängnis erschien, fragte er diesen, ob jemand verwundet worden sei.

Stephen Leith schluckte seit einigen Wochen Prozac (in der Schweiz unter dem Namen Fluctine im Handel), ein Antidepressivum. Damit hat er eines gemeinsam mit fast allen Amokläufern der vergangenen Jahre: Sie standen unter dem Einfluss von Antidepressiva wie Prozac, Zoloft oder Paxil oder litten unter Entzugserscheinungen, die durch die­se Psychopharmaka - beziehungsweise ihr Absetzen - hervorgerufen wurden. Die Website www.ssristories.com listet knapp fünfzig «school shootings» auf, darunter auch das Gemetzel von Steven P. Kazmierczak. Der 27-jährige amerikanische Soziologiestudent hatte Anfang 2008 Prozac gerade erst abgesetzt und dann im Wahn fünf Studenten der Northern Illinois University sowie sich selbst erschossen. Seine Freundin Jessica Baty sagte gegenüber dem Sender CNN, Kazmierczak hätte sich durch Prozac «wie ein Zombie» gefühlt.

Dass Antidepressiva manische Zustände und Psychosen auslösen können, stellten die Forscher Donald Klein und Max Fink bereits 1962 in einem Paper fest, das im «American Journal of Psychiatry» publiziert wurde. 1987 wurde dann mit dem Medikament Prozac eine neue Klasse von Antidepressiva eingeführt: die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Sie erhöhen die Konzentration des Botenstoffs Serotonin in der Gewebeflüssigkeit des Gehirns, indem sie bestimmte Rezeptoren blockieren, die bei der Übertragung von Nervenimpulsen eine Rolle spielen. Das kann zu nachhaltigen Veränderungen der Hirnverbindungen führen. Ein grundsätzlich erwünschter Effekt, wie Isabella Heuser, Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Berliner Universitätskrankenhaus Charité, gegenüber dem Berliner «Tagesspiegel» hervorgestrichen hat. Gerade Prozac wird in den USA werbewirksam als «Glückspille» bezeichnet.

Stephen Leith hatte einen Psychiater aufgesucht, nachdem er in eine depressive Gemütslage geraten war, als er mitansehen musste, wie seine an Krebs erkrankte Frau dem Tod immer näher kam. Der Arzt verschrieb ihm Prozac. «Nach zwei Wochen schlug das Medikament an, ich fühlte mich so voller Ener­gie, dass der Schulleiter sogar dachte, ich sei auf Drogen», so Leith. Er verlor zunehmend die Kontrolle über sich selbst. «Ich liess jede Diskretion vermissen und verlor jegliches Schamgefühl. Viele Schüler fürchteten sich deshalb plötzlich vor mir.»

Drogenabhängig

Seit 1987 ist die Zahl derjenigen, denen SSRI verschrieben werden, vor allem in den USA stark gestiegen - aber auch in vielen anderen Industrieländern. Aus einer Analyse des Forscherteams um den Yale-Psychiater Adrian Preda, die 2001 im «Journal of Clinical Psychiatry» veröffentlicht wurde, geht hervor, dass in den Vereinigten Staaten pro Jahr mehr als 200 000 Menschen in ein Krankenhaus eingeliefert werden, weil sie unter manischen und/oder psychotischen Zuständen leiden - hervorgerufen durch Antidepressiva oder durch sie ausgelöste Entzugserscheinungen.

Diese treten vor allem auf, wenn die SSRI zu schnell abgesetzt werden. Als Folge kann ein zeitweiliges Serotonindefizit im Gehirn entstehen, weil die durch die Antidepressiva blockierten Re­zeptoren über längere Zeit inaktiv bleiben. Und das, so wird angenommen, hat dann Entzugserscheinungen zur Folge. Sie entsprechen weitgehend den Nebenwirkungen des Medikaments selbst: Magen-Darm-Beschwerden, Le­­berfunktionsstörungen, Impotenz, Krampfanfälle, Anämie, Verwirrtheit, Albträume, Panikattacken, Suizidgedanken und aggressive Verhaltensweisen. Die Entzugserscheinungen können über Wochen oder Monate, in krassen Fällen sogar länger als ein Jahr anhalten.

Stephen Leith hatte Prozac nicht abgesetzt - er litt vielmehr unter wesensverändernden Gefühlen, wie sie im Zusammenhang mit SSRI häufig als Nebenwirkung auftreten. Und dann, nach sechs Wochen, verkehrten sich die übersteigert euphorischen Gefühle ins Gegenteil. «Ich kippte in meine Depression zurück, litt unter Schlafstörungen und war ständig aufgewühlt», so Leith. «Zum ersten Mal rügte man mich in der Schule wegen meines Verhaltens. Ich wurde paranoid und glaubte, man wolle mich feuern. In mir brannte eine Wut, wie ich sie vor der Einnahme von Prozac nie erlebt hatte.» Ständige Kopfschmerzen plagten ihn, meistens war er verwirrt.

Falsch kombiniert?

Dass der Serotoninspiegel im Gehirn, den die SSRI ja beeinflussen sollen, überhaupt etwas mit Depressionen zu tun hat und dass Antidepressiva über kurz oder lang positive Effekte und nicht nur Nebenwirkungen haben, wird von Fachleuten bezweifelt. So erschien Anfang 2008 im «New England Journal of Medicine» eine Studie, die Daten von mehr als 12000 Patient­Innen auswertete. Vernichtendes Fazit: SSRI sind kaum wirksamer als Placebo, Pillen ohne pharmazeutischen Wirkstoff.

Zu einem ähnlichen Resultat gelangte wenig später auch der britische Psychologe Irving Kirsch, nachdem er fast fünfzig Zulassungsstudien für verschiedene Antidepressiva untersucht hatte - darunter auch bislang unver­öffentlichte Studien aus den Schubladen der US-Arzneimittelbehörde FDA: «Die Wirkung aller SSRI übersteigt die eines Placebos bei leichten Depressionen nicht - und selbst in schweren Fällen von Depression sind die Anti­depressiva für die meisten Patienten in klinischer Hinsicht nicht besser.»

Für den US-Psychiater und Medikamentenkritiker Peter R. Breggin ist klar: «Es gibt keinen Beweis dafür, dass es gut ist für das Gehirn, wenn man seine chemische Zusammensetzung durch die Gabe von Antidepressiva langfristig ändert.» Vielmehr könnten die Gehirnfunktionen, wie gut dokumentierte Fallberichte zeigten, durch die Präparate schweren Schaden erleiden. Ausserdem seien die Beweise dafür, dass SSRI schwer depressiven Menschen helfen, schwach - «so schwach, dass die depressivsten Patienten, also suizidgefährdete, manisch-depressive und hospitalisierte Menschen, von Studien zu Antidepressiva ausgeschlossen werden». Breggin hat seine Kritik an der Fixierung auf wesensverändernde Psychopharmaka 2008 in seinem Buch «Medication Mad­ness» zusammengefasst.

Beipackzettel warnt: Suizidgefahr!

Stephen Leith ist überzeugt: «Alles Schreckliche, was ich vielen Menschen angetan habe - dem Schulleiter und dessen Angehörigen oder auch meiner Frau, die ich in ihrem Sterben im Stich gelassen habe -, wäre nie passiert, wenn ich nicht Prozac genommen hätte.» Er hat die US-Medikamentenzulassungsbehörde FDA in einem persönlichen Brief dazu aufgefordert, das Medikament vom Markt zu nehmen.

2004 verfügte die FDA, dass auf den Beipackzetteln von Antidepressiva ausdrücklich darauf hingewiesen werden muss, dass insbesondere Kinder unter achtzehn Jahren einer erhöhten Suizidgefahr ausgesetzt sind, wenn sie SSRI einnehmen. Zwei Jahre später erweiterte sie diese Warnung auf alle Personen, die jünger sind als 25. Solche so­genannte Blackboxwarnungen, die ihren Namen dem schwarzen Rahmen verdanken, der den Text der Warnung umgibt, sind das stärkste Mittel der FDA, um mit Nachdruck vor schwerwiegenden oder gar lebensbedrohlichen Nebenwirkungen von Medikamenten zu warnen.

Vor Gericht sind Antidepressiva wie Prozac im Zusammenhang mit Amokläufen bisher nicht schuldig gesprochen worden. Die Herstellerfirma Eli Lilly insistiert, dass Prozac Millionen von Menschen geholfen habe. Gegenüber dem «British Medical Journal» sagte sie 2005: «Die Sicherheit und Wirksamkeit von Prozac ist gut untersucht, dokumentiert und etabliert.»

Vor kurzem kam es erneut zu einem tragischen Todesfall: Der siebenjährige Gabriel Myers aus Florida erhängte sich in der Dusche seines Pflegeheims. Wenige Wochen vor seinem Tod wurden Myers vier Psychopharmaka verschrieben, von denen er zwei bis drei kurz vor seinem Tod genommen hatte: Die beiden Antidepressiva Lexapro und Symbyax, das Medikament Vyvanse zur Behandlung des Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndroms (ADHS) sowie Zyprexa, das hauptsächlich bei schizophrener Psychose eingesetzt wird.

Doch nicht nur wurde bei dem Siebenjährigen gar keine Schizophrenie diagnostiziert, wie der Yale-Psychia­ter David Katz kritisiert. Auch sind mit Ausnahme des ADHS-Präparats die Beipackzettel aller Medikamente mit einer Blackboxwarnung vor erhöhtem Selbstmordrisiko versehen. Für die Verabreichung an Kinder sind sie ausserdem gar nicht zugelassen. «Wenn Kinder derart wirkungsreiche Präparate nehmen, so ist das extrem riskant», sagt Katz. «Solche Medikamente können durchaus ein Faktor sein, wenn Leute Selbstmord begehen oder andere schreckliche Taten.»

Der siebzehnjährige Tim Kretschmer, der Mitte März im deutschen Winnenden insgesamt fünfzehn Menschen und anschliessend sich selbst erschossen hat, soll ein Faible für Schusswaffen gehabt und Stunden mit gewaltgeprägten Action-Videospielen vor dem Computer zugebracht haben. Und er war seit 2008 in psychiatrischer Behandlung, weil er depressiv war. Ob bei der Obduktion von Tim Kretschmers Leiche nach Spuren von Antidepressiva gesucht wurde, war von den Behörden nicht zu erfahren. Allerdings lassen sich die meisten Antidepressiva nur zwölf Stunden nach der Einnahme mit gängigen Labormethoden bereits nicht mehr nachweisen. Wie auch immer der toxikologische Obduktionsbericht ausfällt, der seit Mitte Mai erwartet wird: Ein Freispruch für Antidepressiva wie Prozac ist er nicht.

Des Kaisers neue Drogen

Antidepressiva gelten in der modernen Medizin als sichere und effiziente Mittel, um die geistige Balance und Gesundheit eines Menschen wiederherzustellen. Der britische Psychologe Irving Kirsch von der Hull University hat sich wie ein Maulwurf durch den riesigen Berg an klinischen Studien zur Wirksamkeit von Antidepressiva gewühlt, um festzustellen: Diese Erkenntnis fusst mehr auf der gut geölten Marketingmaschinerie der Pharmabranche denn auf der tatsächlichen Evidenz aus klinischen Studien. Tatsächlich sind Antidepressiva oft nicht nur weniger effektiv als andere Behandlungsformen, sie sind auch gefährlicher, wie Kisch in seinem neuen Buch zeigt.
Irving Kirsch: «The Emperor’s New Drugs. Exploding the Antidepressant Myth». Random House. London 2009. £ 10.99. Das Buch erscheint Anfang September in englischer Sprache.

Entnommen aus der woz.ch